Konzert 4: Sa 30.Aug. 20.00

THE MIX

Der Lausanner Pierre Audetat, Mitbegründer der jazzigen Hip Hop-Band Silent Majority, ist ein Meister des Live-Samplings. Er generiert künstliche Welten, dumpf pulsend, mit Funk, Hip Hop, experimentellen Soundflächen und allerhand Sphären zwischen Noise und Easy Listening. In diesem Sampling-Kaleidoskop bewegen sich mit Mark Feldman (Violine) und Tiny Bell Trio-Gitarrist Brad Shepik sozusagen die Vertreter des authentischen Handwerks: Erstklassige Instrumentalisten mit Ideen und breiter Erfahrung. Feldman auch klassisch-zeitgenössisch, Shepik in den Skalen arabisch-südosteuropäischer Musik. Die Interaktionen zwischen Menschen und Maschine sind in diesem Trio jederzeit ebenbürtig. Wo im üblichen Dancefloor-Jazz der Jazz-Anteil nur aus einfachsten Riffs besteht, tritt hier das Jazzige viel geballter in die Elektronik. Und auch Pierre Audetat, der Mensch an der Maschine, spielt mit einer Band.

Pierre Audetat keyb,sampl, Brad Shepik g, Mark Feldman viol

Auch dieses Jahr ist ein Solo-Piano-Rezital programmiert. Nach den Über-Vätern Cecil Taylor und Andrew Hill gehört die Bühne diesmal einem Shooting Star, dem 28-jährigen Jason Moran. Nach drei Alben für Blue Note hat er letztes Jahr mit "Modernistic" seine erste Solo-CD veröffentlicht. Und diese lässt hören, wohin die Reise führen wird: Von Robert Schumann über Stride-Piano bis zum Groove-Verständnis des Hip Hop. Jason Moran kennt keine stilistischen Grenzen, wohl aber Stil. Seine Eigenkompositionen verarbeiten Klassik, Jazzgeschichte und Einflüsse der populären Black Music in einfühlsamer Originalität. Er glänzt mit Neubearbeitungen von Jazz-Piano-Klassikern wie James P. Johnson oder Muhal Richard Adams oder stellt den Jazz-Standard "Body and Soul" neben den Hip Hop Klassiker "Planet Rock" von Africa Bambaataa. Jason Moran spielt klar und reflektiert. Und die Emotion ist immer dabei.

Jason Moran p

Ray Anderson ist wohl der virtuoseste Posaunist der aktuellen Jazzszene. Und ein glänzender Entertainer. Was er anpackt, wird ein Vergnügen – und die Palette seiner Projekte ist gross. Er zaubert die ganze Jazzgeschichte aus seinem Instrument, von Swing über Be Bop bis zu Avantgarde-Jazz und den denkbar freisten Formen der freien Improvisationen. Mit der Pocket Brass Band geht Ray Anderson an die Wurzel des Jazz: Er lässt – en miniature - die New Orleans Marching Band aufleben. Auf der Basis von New Orleans-Funk, Standards und Eigenkompositionen entwickelt das Quartett seinen Kollektiv-Groove mit all seinen solistischen Sinuskurven. Matt Perrine ist ein Sousaphon-Spieler, der in New Orleans lebt und dort in Brass- und Bluesbands spielt. Auch Lew Soloff, Mitbegründer von Blood Sweat & Tears, beweist seit über 30 Jahren, dass er nichts an strahlendem Klang und perlenden Licks eingebüsst hat.

Ray Anderson tb,voc, Lew Soloff tp, Matt Perrine sousaph, Hamid Drake dr